Integration durch Emotion, Theorie und Praxis
“Inheritance Values” beschreiben, wie kulturelle Wertvorstellungen von der Gesellschaft wahrgenommen, interpretiert und verändert werden – und wie sie ihrerseits gesellschaftliche Entwicklungen prägen. Sie sind in langlebigen Objekten verkörpert, etwa in Generationen überdauernden Gebäuden. Dabei beziehen sich “Inheritance Values” nicht nur auf offiziell anerkanntes Kulturerbe oder geschützte Denkmäler, sondern auf die umfassendere Realität des Geerbten: bestehende Gebäude, materielle Ressourcen, räumliche Strukturen sowie die kulturellen Bedeutungen und Emotionen, die mit ihnen verbunden sind.
CHI-L verwendet den Begriff “Inheritance Values” bewusst in Abgrenzung zu klassischen Heritage-Value-Theorien. Im Gegensatz zum Erbe als Zustand verstanden, wird das Erben als aktiver kultureller Prozess verstanden, der durch Nutzung, Pflege, Anpassung und Aushandlung geprägt ist. “Inheritance Values” entstehen dort, wo materielle Substanz, gelebte Erfahrung, soziale Praktiken und zukünftige Anforderungen aufeinandertreffen. Stabile, vorgegebene Merkmale werden durch persönliche Reflexion, kollektives Engagement und bewusste Verantwortung zu Werte.
Emotionale Dimensionen von Inheritance Values
Künstlerische Auseinandersetzung spielt dabei eine zentrale Rolle. Bei CHI-L dient sie dazu, “Inheritance Values” jenseits technischer oder normativer Raster erfahrbar zu machen, zu hinterfragen und emotional zu bewerten. Sie macht Spannungen zwischen Kontinuität und Veränderung sichtbar und eröffnet Reflexionsräume, die mit theoretischen, politischen oder planerischen Instrumenten allein oft nicht zugänglich sind.
Diskursive Dimensionen von Inheritance Values
Kritische Essays ergänzen diesen erfahrungsbasierten Zugang durch eine diskursive Auseinandersetzung. Sie schaffen Räume, in denen Erbe, Werte und Erbprozesse untersucht, kontextualisiert und verhandelt werden können. Essays unterstützen die Übersetzung zwischen Fachwissen, gesellschaftlichen Perspektiven und Alltagswissen und tragen dazu bei, Werte zu formulieren, zu hinterfragen und zu teilen.
Praktische Dimensionen von Inheritance Values
In anwendungsorientierten F&E-Projekten werden “Inheritance Values” schließlich in konkrete Transformationsprozesse überführt. Narrative Dimensionen wie Erinnerung, Identität und Bedeutung werden mit technischen Leistungsanforderungen wie Materialbeständigkeit, ökologischer Wirkung und funktionaler Anpassungsfähigkeit verknüpft. So entsteht ein gemeinsamer Bewertungsrahmen für Transformation und Wiederverwendung – nicht mit dem Ziel, die Vergangenheit zu konservieren, sondern Kontinuität aktiv durch Veränderung zu gestalten. In der Praxis dient dieser Rahmen der Analyse bestehender Gebäude, der Identifikation relevanter Werte und der Unterstützung von Entscheidungsprozessen für Eigentümer:innen, Gemeinden und Projektpartner:innen.
